1. Piazza Vittorio Veneto und Palombaro Lungo
Beginne nicht sofort mit dem Abstieg in die Sassi. Stelle dich zunächst an die Brüstung der Piazza Vittorio Veneto und versuche, das Gelände wie ein Querschnittsmodell zu lesen. Oberhalb liegt die jüngere, repräsentative Stadt; unterhalb öffnen sich die eingeschnittenen Täler des Sasso Barisano. Schon dieser erste Blick zeigt das Grundprinzip Materas: Was wie eine Häuserlandschaft wirkt, ist zugleich Dach, Straße, Zisternendecke und Felsoberfläche.
Warum dieser Ort wichtig ist
Die Piazza markiert die Nahtstelle zwischen dem nachmittelalterlichen „Piano“ und den älteren Sassi. Unter dem Platz befindet sich der Palombaro Lungo, eine große Zisterne, die Wasser aus Dachflächen, Rinnen und Zuflüssen sammelte. Materas Überleben hing nicht von einem großen Fluss im Zentrum ab, sondern von einem ausgeklügelten System des Speicherns, Filterns und Weiterleitens.
Konstruktion und sichtbare Details
Im Inneren des Palombaro erkennst du senkrechte und schräge Bearbeitungsspuren im Kalkarenit. Die Wände wurden mit wasserundurchlässigem Putz versehen. Achte auf die enorme Raumhöhe und darauf, dass es sich nicht um eine natürliche Höhle handelt, sondern um einen aus mehreren Kammern zusammengewachsenen Hohlraum. Der Platz darüber funktioniert dadurch wie ein Deckel eines technischen Bauwerks.